Die Kindheit

Aus der Eddie uns in seinen eigenen Worten erzählt.

Bejubelt als der führende Stand-Up-Comedian seiner Generation. Bühnen-, Fernseh- und Filmstar. Unermüdlicher Unterstützer karitativer Hilfsprojekte. Marathonläufer. Politischer Mitkämpfer. Mode-Ikone. Mensch. All das ist Eddie Izzard und noch mehr. Doch wie waren die Jahre, die ihn geprägt haben?

EDDIE:Ich wurde im Februar 62 in Südjemen geboren. Schon in den 50er Jahren war mein Vater ein Hippie, aber mit kurzgeschorenen Haaren. Bereits im Alter von sechzehn Jahren verfasste er Abhandlungen über den Kommunismus und solche Sachen. Er wusste nicht so recht, was er beruflich machen sollte und begann bei BP als Registrator. Als erstes stellte er dort das gesamte Ablagesystem um, sodass außer ihm niemand mehr wusste, wo etwas war. Ich fand, das war eine gute Maßnahme.

Dann nahm er eine Stellung in Aden an. Damals war das fast so, als hätte er gesagt: „Ich fliege jetzt auf den Mond“. Noch heute ist es weit vom Schuss, und erst recht in den 50er Jahren. Damals war Aden noch eine britische Kolonie. BP hatte dort eine Ölraffinerie und es wurden eine Stadt, Straßen und ein Krankenhaus gebaut. Meine Mutter kam später nach, als sie beschloss, in Aden als Krankenschwester zu arbeiten. Es gab also zwei verschiedene Leute, die unabhängig voneinander sagten: „Ich fliege jetzt also auf den Mond – einfach nur so!” Sie lernten sich dort kennen, heirateten und bekamen Kinder; ich war das zweite.

Ich habe einen älteren Bruder. Er heißt Mark und ist zwei Jahre älter als ich. Wir haben einen Amateurfilm, in dem er herumrennt, Fußball spielt und mir dann mit dem Finger ins Auge sticht. Das ist eine tolle kleine Szene von ihm, meiner Mutter und von mir. Er piekt mir ins Auge und meine Mutter zieht ständig seine Hand weg … und in anderen Szenen sieht man meinen Vater, der damals einen Schnäuzer trug. Typischer Look eines 30jährigen. 1963 verließen wir Aden. Nachdem wir weggezogen waren, gab es dort eine Revolution … ich muss unbedingt mal wieder zurück nach Aden. Mein Vater hat vor, mit uns da hinzufahren und uns alles zu zeigen.

Nordirland, Zähne, Zehennägel

Wir zogen nach Nordirland und blieben dort bis 1967. Das war klasse. BP hatte eine Ölraffinerie in Belfast, und dort gingen wir manchmal hin und hämmerten auf die elektrischen Schreibmaschinen ein. Für mich waren das Sachen wie aus dem Weltraumzeitalter. Damals liefen sicherlich unterschwellige politische Sachen ab, aber ich habe das gar nicht wahrgenommen. Ich besuchte die Grundschule, und in der Pause schlürfte ich die Milchrationen und verschmauste die Kekse. Ich malte Bildchen von unserem Haus, von Mama und Papa und solche Sachen, und ich war in einer Bande und schleuderte Schlamm auf vorbeifahrende Autos. Damals wurde alles Mögliche gebaut und es schoss ein Bungalow nach dem anderen aus dem Boden. Wir kletterten über die Dächer und kippten Wasser in sämtliche Betonmischer, damit der Beton hart wurde.

Go cartUnsere Bande war vom Alter her bunt gemischt – von vier bis elf oder zwölf. Es waren nur Kinder, die in unserer Straße – dem Ashford Drive in Bangor – wohnten. Einige von ihnen gingen dann später zum Militär. Es war einfach eine tolle Zeit. Und meine Mutter lebte noch. Wenn ich daran denke, kann ich mich noch genau an alles erinnern. Die Bitte um ein Sixpencestück für ein Eis. Wie ein Irrer rennen und dann auf die Nase fallen und mir einen Vorderzahn ausschlagen. Es floss Blut und so, und es gab viel Schreierei, aber es war eigentlich echt ein cooler Zahn mitsamt seiner ganzen langen, spitzen Wurzel. Ich habe ihn aufgehoben und dann mit dem Zahn und einem Zehennagel aus Plasticraft Manschettenknöpfe gebastelt, die ich meinem Bruder geschenkt habe. So schräg war ich drauf. Eine Bank war auf seinen Fuß gefallen und eine ähnliche Bank ein paar Monate vorher auf meinen. Wir hatten also lädierte Füße im Partner-Look. Ich weiß nicht mehr, was mit meinem Zehennagel passiert ist, aber er hatte seinen in einem Kästchen aufgehoben. Also überlegte ich mir, aus diesen beiden – meinem Zahn und seinem Zehennagel – Manschettenknöpfe zu basteln und ihm diese zu Weihnachten zu schenken. Er war total verstört. Ich wusste gar nicht, warum. Ich glaube, er hat sie immer noch. Das sind zwei riesige blaue Plasticraft-Dinger, eines mit einem Zehennagel, das andere mit einem Zahn. Heutzutage sehe ich das als ein Werk dadaistischer Brillianz, aber meine künstlerische Karriere begann und endete damals mit dem entgeisterten Gesichtsausdruck meines Bruders.

Südwales, Radfahren, Little Chef

Ach ja. Nordirland. 1967 bin ich dort weg und nach Südwales, in einen Ort namens Skewn in der Nähe von Swansea gezogen. Das war ganz anders als das Grün, der Regen und die Herumrennerei in Nordirland. Ich ging mit 14 zurück. Ich meinte: „Ich werde von Sussex nach Wales radeln. Ich will abnehmen.” Mein Vater gab mir etwas Geld und eine Karte für die Raststätten Little Chef. Das war die schlimmste Karte, die er mir geben konnte. Ich radelte von Little Chef zu Little Chef und futterte Ahornsirup, Milcheis und Wassereis an den Raststätten. Ich fragte bei den Bauernhöfen: „Kann ich auf Ihrem Feld schlafen?” Und sie sagten „Yeah. Da hast du ein bisschen Wasser.” Und ich wurde von den Kühen geweckt, die in mein Zelt hineinlugten und die mir voll das Muffensausen einjagten.

Beim Zurückradeln haute mich der ausgeprägte Gestank fast vom Sattel. Der Industriegeruch von Südwales ist extrem stark. Und dann gab es den Abschnitt der A48, entlang der M4 von Cardiff. Zunächst: Autobahn, Autobahn, Autobahn. Dann plötzlich: eine Ampel! Eine Ampel? Ampeln auf der Autobahn? Es gab mitten auf der Autobahn einfach ein Stück Bundesstraße.

Meine Mutter starb aber, als ich in Wales war. Im März 1968. Tja, das hat uns umgeworfen und brachte alles durcheinander. Bevor meine Mutter starb, wurde entschieden, dass mein Bruder und ich ins Internat gesteckt werden sollten. Denn ich glaube, mein Vater machte gerade Karriere. Nach seinem Einsatz in Aden und was sonst noch so lief wurde er nämlich befördert.

Meine Oma arbeitete in einer Keksfabrik und ging putzen, und mein Opa war Busfahrer - also eine richtige Arbeiterklassenfamilie. Beide stammten aus Nord-Bexhill in Sidley. Ich war noch mal da und habe Benefizsachen gemacht. Kein warmes Wasser, keine Badezimmer, Badewannen vor dem offenen Kamin, eine Außentoilette – so ist mein Vater aufgewachsen. Er entschied, dass mein Bruder und ich ins Internat sollten. Ein alleinerziehender Vater, so hält man alles in Gang.

Internat, Buntstifte, Radio

Ich war also sechs Jahre alt, als ich ins Internat kam. Da war ein vierjähriger Junge, der mir leid tat. Er machte noch ins Bett. Ich denke, dass mein kindähnlicher Charakter, der auf der Bühne zum Vorschein kommt, mit sechs Jahren zum Stillstand kam. Mein Bruder und ich waren zusammen dort. Die Situation war besser, als wenn einer von uns allein gewesen wäre. Das Internat namens St John’s School liegt in Porthcawl. Es ist wie eine einsame Insel mit Stränden und vielen Dünen. Ich bin auch dort mal wieder gewesen und habe beim Treffen der Labour Party während einer Freiluftaktivität einen Gig auf der Straße gemacht. Porthcawl hatte diese Kirmes und zig Sachen, von denen ich nichts wusste. Die Gegend hat ein Flair wie diese Butlin-Urlaube. Das hat mich überrascht, denn als ich dort lebte, ist mir das nie aufgefallen.

Brothers at the beach

Ich war ein kleiner Straßenhändler. Auf dem Schulhof verscherbelte ich Buntstifte. Man braucht Buntstifte. Was ist, wenn man plötzlich auf einer einsamen Insel landet? Wie schreibt man da seine Botschaften? Mit Buntstiften. Handel fasziniert mich sowieso auf eine eigenartige Art und Weise. Ich wollte mal ein Geschäft führen. Da gab es dieses kleinen Lädchen mit den Hornby-Modelleisenbahnen. Und im Fenster standen dann Sachen wie Kelloggs Cornflakes, Dosensuppen und so was. Man konnte durch die Tür spähen und im Inneren lief etwas ab … In diesem Lädchen wollte ich sitzen. Ich mag Supermärkte. Ich lungere gerne in den Gängen herum und dann tauchen neue Sachen auf. Was hätte ich heute gerne? Oh, eins davon …. Es erinnert mich an ein Zitat von Spinal Tap: „Ich glaube, ich könnte in so einem Geschäft arbeiten.”

Wir hatten ein Radio in der Schule in Wales. Ich erinnere mich an Delilah von Tom Jones und Those Were The Days von Mary Hopkins, und es klang alles ein bisschen wie vom Mars. Es war ein altes Radio, das mein Vater noch von Aden hatte, und das hatte ich mir geborgt. Man schaltete es ein, und dann hörte man Töne von der Außenwelt. 

In der Schule mussten wir manchmal sonntags in die Kirche gehen. Wenn man sechs Jahre alt ist, dann kommt einem das meilenweit vor, obwohl die Kirche nur am Ende der Straße war. Und dann gab es dort einen Spielplatz im Dorf mit einem Gittertor. Da gab es furchterregende Stufen runter zu einem Brunnen, in dem der Teufel wohnte – so dachten wir alle jedenfalls. Man schaute in den Brunnen hinein und dachte – Wo zum Teufel führt er hin? Und dann gab es dort Dünen und einen Campingplatz mit Wohnwagen. Dort marschierten wir durch bis nach unten zum Meer. Da war es eisig und kalt. Gelbe Pflanzen wuchsen in den Dünen, auf denen Raupen saßen.

Auf diesem Wohnwagen-Campingplatz haben wir nie jemanden gesehen, denn wir hielten uns ja nur außerhalb der Urlaubssaison dort auf. Auf dem Platz befand sich ein abgeschlossenes Gebäude mit die Spielautomaten. Dort war ein Dalek, in dem man einsteigen musste und mit dem man sich bewegte. Wir hatten diese fiesen Sandwiches und das, was Limonade genannt wurde, was aber keine Limonade war, sondern so ein billiges Gesöff. Und wir haben unsere Sandwiches im Sand verbuddelt, weil sie so ekelig schmeckten.

Ekeliges Essen, Lazenby, Sackhüpfen

Das Essen war widerlich und ich hatte ein echtes Essproblem, mir schmeckten nur einfache Sachen. Mein Bruder aß indisches Essen und ich konnte nur Kartoffeln zu mir nehmen. Deshalb wollte ich auch zum Militär, weil man dort ständig Kartoffeln schälte. Ich dachte – also, ich mag Kartoffeln, und deswegen … In der Schule gab es Makkaroni mit warmer Milch. Was zum Teufel ist das denn? So etwas habe ich danach nie wieder gesehen.

Das beste Essen, was es dort gab, war Wurst und Fritten. Donnerstags wurden wir zum Schwimmbad gebracht und wenn wir wiederkamen, gab es das, und es schmeckte fantastisch. Es gab einige Gerichte, auf die man sich freuen konnte. Teetrinken war dort angesagt und ich hasste Tee. Aber Wurst und Fritten war die eine Mahlzeit, die ich runterkriegen konnte.

Als ich in Eastbourne zur Schule ging, machten wir Ausflüge. Ich erinnere mich daran, Im Geheimdienst Ihrer Majestät gesehen zu haben. Ich stehe voll auf den australischen Bond, George Lazenby. Ich liebe den Film, bei dem er mitspielt, aber da bin ich wohl der Einzige. Aber ich fordere jeden auf, sich den Film noch mal anzuschauen und zu sagen, was denn daran so schlecht sein soll. Die Kampfsequenzen sind klasse – da wurden tolle Geräuscheffekte mit eingebaut, als ob sie mit Holzplanken kämpfen. Diese total überzogenen Geräusche. Diana Rigg ist fantastisch, mir gefällt das Skifahren, ich mag Telly Savalas, ich mag die Musik. Ich wusste, dass We´ve Got All The Time In The World hätte Nummer Eins werden können. Wir bekamen Punkte, ein Schulleistungsprinzip, und wurden in Gruppen eingeteilt. Jeder war in einer anderen Gruppe und die Gruppe mit den meisten Punkten konnte einen Ausflug machen. Wir haben es jedes Jahr gewonnen und in jedem Jahr wusste ich nicht, was Sache war. Es hatte nichts mit mir zu tun, doch jedes Jahr machte ich diese Ausflüge mit und dachte … cool …, aber ich habe eigentlich nichts dazu beigetragen. Auf einem dieser Ausflüge haben wir den Film Im Geheimdienst Ihrer Majestät gesehen.

Sack raceAls ich sieben Jahre alt war, habe ich am Sporttag beim Sackhüpfen mitgemacht. Mein Vater sagte: „Platziere deine Füße in die Ecken und lauf einfach los.” Das habe ich dann auch getan und bin die Strecke hinuntergerast. Es gibt so ein Foto von mir, wo ich durch das Zielband düse. Yeahh, Wahnsinnslängen vor dem nächsten Typ. Der andere Junge wechselt gerade vom Hüpfen zum Laufen, denn diese Säcke waren zu groß und man konnte darin richtig laufen. Ich habe einen blauen Fußball gewonnen. Also, da haben mein Vater und ich zusammengearbeitet.

Vater, Sidley, Suchscheinwerfer

Mein Vater ist schon in Ordnung. Ich glaube, wir sind uns recht ähnlich. Wir verkneifen unsere Gefühle und wir machen nicht so viel Trara, weil wir schon viele schlimme Sachen erlebt haben und weil um die nächste Ecke ja schon wieder die Kacke am Dampfen sein könnte. Aber wir werden auch nicht zu depressiv. Wir gurken so vor uns hin, versuchen aber etwas zerzauster und schrulliger zu sein, wie es Billy Connolly so schön ausdrückte.

Wir arbeiten jetzt auch manchmal im Gemeindezentrum in Sidley zusammen, der Ort, in dem er aufgewachsen ist. Meine Großmutter war 1949 bei der Gründung mit dabei. Schon als wir im Kindergarten waren, brachte sie meinem Bruder und mir alles bei. Der Ort befindet sich in Bexhill, East Sussex, wo Spike Milligan während des Krieges stationiert war. Er war auf Beobachtungsposten, auf dem Gipfel des Galley Hill, und wartete auf die Deutschen. Ich habe am Fuß des Hügels am Kiosk Eis verkauft und bin dann mit dem Fahrrad los, um die Stellen zu suchen, wo er stationiert war. Im De La Warr Pavillon habe ich Würstchen, Eier und Fritten und auch Tee an alte Damen verkauft. Spike stand hier auf der Bühne, und letztendlich bin auch ich hier aufgetreten.

Ich hatte einen Stand-up-Gig in Sidley. Dafür habe ich einen Hollywood-Suchscheinwerfer genommen, so einen, mit dem man früher den Himmel nach Jagdbombern absuchte. Das letzte Mal wurden diese Dinger 1942 in Sidley eingesetzt. Wir hatten die Genehmigung erhalten – aber die Polizei rief trotzdem an und fragte: „Was läuft denn hier für ein Scheiß ab?” – und Hinz und Kunz kam aus dem Umkreis von zehn, zwölf Meilen herbei gefahren, weil die Lichter am Himmel zu sehen waren. Die Leute kamen an und fragten, „Was ist hier los? Dürfen wir mit dabei sein?” Es ist toll, mit meinem Vater zu arbeiten. Er ist Kassenwart im Gemeindezentrum.

Eastbourne, Fußball, LEGO

1969 haben wir Wales verlassen und sind wieder nach Bexhill gezogen. Wir gingen in Eastbourne zur Schule – und wieder war es so ein Internat. Das erste hieß St. Bede´s, direkt am Fuß der South Downs. Die Downs haben steile Hänge mit massig Bombenkratern. Als die britischen Flieger von ihren Missionen nach Hause kamen, warfen sie ihre Bomben über den Downs ab, denn sie konnten mit einer Bombe an Bord nicht landen – so in der Art jedenfalls. Ich weiß es nicht genau. In diesen Kratern haben wir auf alle Fälle gespielt.

Ich habe viel Fußball gespielt. Damals lebte ich für Fußball. Ich habe mir den Arsch abgelaufen, habe als linker Vorstopper gespielt. Ich war in der A-Jugend. Ich war zwar nicht der beste oder talentierteste Spieler, aber ich war gut, wenn der Ball an unserem Torwart vorbeiging, dann pölte ich ihn einfach über die Linie weg. Und wenn ein Spieler mit dem Ball nach vorn lief und gerade zum Schuss ausholen wollte, habe ich einfach meinen Fuß ins Spiel gebracht und ihm den Ball abgenommen. Solche Sachen habe ich gemacht. Ich konnte aber irgendwie kein Tor schießen, nicht ums Verrecken. Ich hatte Muffe, dass ich eine eindeutige Torchance vermasseln würde und mich dann alle lynchen würden. Deshalb habe ich nur einen guten Pass gespielt, damit ein anderer ein Tor schießen konnte. Am Spieltag wurden die Spieler während der Schulversammlung ausgerufen - „Okay, pack deine Sachen und los geht´s” – und dann stand man auf und marschierte raus. Das war toll. Das gefiel mir.

The football teamDoch so ein Mist, in der zweiten Schule in Eastbourne wurde kein Fußball gespielt. Wie bescheuert! Es gab Rugby, Hockey und Cricket, und in der Oberstufe gab es Fußball als Wahlfach. Es wurde wie Töpfern oder Kampfsport behandelt. Da habe ich also ganz mit dem Sport aufgehört. Ich fand es blöd, ohne Fußball. Mein Bruder war schon in dieser Schule, daher wusste ich davon. Man nahm es halt so hin.

An der Uni dachte ich dann – hey, ich spiele jetzt wieder Fußball; aber mir fehlten ganz klar fünf Jahre Training. Die Spieler behandelten mich wie Dreck, weil ich den Ball nicht mehr richtig traf. Und andere Sportarten waren nichts für mich. Beim Cricket kriegte ich ständig den Ball ab. Hockey mochte ich, aber einige Typen sahen den Ball nur an und wummms! – bolzten ihn einfach irgendwo hin. Ich habe mich wirklich angestrengt mit den Hockeystöcken und so, aber ich konnte den Ball nicht so gut spielen wie die besten Spieler. Beim Fußball gehörte ich schon mit dreizehn zur A-Jugend. 14 Spiele, 11 gewonnen, eins unentschieden, zwei verloren. Einmal hätte ich fast für meine Stadt gespielt. Ich war Ersatzmann in der Mannschaft beim Spiel Eastbourne gegen Seaford. Da war ich ganz nahe dran.

Mein Vater erzählt uns immer, dass die WM von 1966 im Fernsehen lief, und er damals sagte: „Das müsst ihr euch ansehen”, und mein Bruder und ich erwiderten „Nein”. „Ihr müsst euch das unbedingt ansehen, das ist doch die WM – es steht 3:2, es steht 4:2 ….” Und wir sagten immer noch „Nein” und steckten uns LEGO-Steine in die Ohren.

Schauspielerei, Klarinette, Schönheit

Ich wollte Profi-Fußballer werden. Ich glaube nicht, dass ich es gepackt hätte, denn so gut war ich ja nun auch wieder nicht, aber es hat mir total viel Spaß gemacht. Ich weiß, dass Fußball eigentlich nicht mit Transvestitismus gleichzusetzen ist. Doch Tatsache ist ja, dass es viele Fußballspieler, Fußballfans und Kerle in der Armee, Marine und Luftwaffe gibt, oder auch Gabelstaplerfahrer, die Transvestiten sind. Das ist die männliche Version des wilden Weibs. So als ob wir männliche Lesben wären. Wir stehen ja auch alle auf Frauen. Doch wenn man sich das zu eigen macht, kommen bestimmte weibliche Qualitäten zum Vorschein.

ClarinetIn der Schule wollte ich Theater spielen. Es klappte aber nicht, weil die anderen überzeugt waren, dass ich mies war. War ich ja vielleicht auch. Ich habe die Vorsprechproben mitgemacht, aber nie eine Rolle bekommen. Klarinette habe ich aus ganz falschen Gründen erlernt. Ich wollte Klavier spielen, blieb aber an der Klarinette hängen und musste im Schulorchester mitspielen. Sie organisierten ein Musical, Oliver!, oder so, und ich musste diese verdammte Klarinette spielen. Der Vater von einem Schulkamerad war ein halber Profi-Schauspieler, und wenn ich ihm seinen Hut und seinen Stock übergab, war es fast schon so wie „Mein Gott, ich gehöre schon fast zur Szene.”

Seit ich sieben war, wollte ich unbedingt schauspielern, und ich machte total irre Sachen, um da irgendwie reinzukommen. Ich habe beim Musical Joseph and His Amazing Technicolor Dreamcoat mitgemacht. Der Schulchor führte das auf. Ich gehörte nicht zum Chor, habe mich aber ständig dort rumgetrieben, Sachen gehoben und geschoben. Und dann war ich doch mit dabei und habe sogar ein Solo rausquetschen können. Als ich sieben Jahre alt war, führten wir eine Version von Die Schöne und das Biest auf. Ich war eines der Straßenkinder. Die Straßenkinder sollten einen gemeinsamen Satz sagen - „Oh Beauty, don't go”. Vor unserem Einsatz habe ich den dann allerdings schnell vor allen anderen vorgetragen: „OhBeautyDon'tGo.” Die anderen Kinder nölten dann: „O Mann ... er hat es gesagt.” So habe ich meinen eigenen Einsatz kreiert. Ich habe den anderen die Show gestohlen … denn der Rest der Siebenjährigen im Chor bestand nur aus dämlichen Blagen. „Da ist ein Stern ... .” „Was ...?” „Da ist ein Stern ... .” „Hä ...?” „Du bist ein Hirte.” „Echt, bin ich das? Oh yeah ... .”

Grippe, Trebonius, Blut

Es gab eine Grippewelle, als ich sieben war. Daher habe ich nicht nur bei Die Schöne und das Biest mitgemacht; ich habe auch einen Hirten gespielt. Ich habe also an zwei Aufführungen teilgenommen. Ich war ein ganz besonderer Hirte. Danach waren die Rollenangebote recht spärlich. Bei den großen Musicals – Piraten von Penzance oder solche Sachen - kam ich nicht mehr rein.

On stage

Julius Cäsar wurde aufgeführt, und ich spielte den Trebonius. Von Cäsars Verschwörern war Trebonius der langweiligste. Erstmal, weil sich sein Name so blöde anhört und zweitens, weil sie dieses lateinische Wort sagen:

OMNES

Tja, Trebonius weiß schon, was Sache ist. Man muss nur mal drauf achten, wie er Marcus Antonius weglockt, damit der nicht mit dabei ist, wenn es mit Cäser so richtig rundgeht. Und wir stachen mit unseren Plastikdolchen zu, an denen mit Blut gefüllte Spritzen hingen. Allerdings bedeutete das auch, dass Trebonius keinen Plastikdolch mit Blutspritze hatte und er wie ein Idiot abseits stand, während es abging.

Ich war nicht auf der Bühne. Ich befand mich mit Marcus Antonius hinter der Kulisse und knatschte: „Ach, jetzt metzeln sie mit den Plastikdolchen.” Es gab zehn Verschwörer, und neun davon stachen auf der Bühne auf Julius Cäser ein, und einer stand wie doof hinter der Bühne.

So ein Mist, ich konnte nicht richtig mitmischen.

Bei der Generalprobe wurden Fotos gemacht. Man sieht alle Verschwörer mit ihren Plastikdolchen, außer dieses eine Kind mit der Spritze voll mit Blut, das zur Kamera hinblickt. Ein Kind namens Caldwell, das … erschossen wurde.

Lachen, Akzente, Explosionen

Doch bei einer Sache konnte ich glänzen. Ich fand Komödie immer toll und als ich zwölf war, verdiente ich mir meine ersten Lacher. Wir haben in der Klasse Kabarett gemacht, mit einem Lehrer namens Sam Grey. Er war irgendwie anders. Angeblich hat er geheiratet, aber vorher schon eine Motorradreise durch Südafrika geplant. Statt Flitterwochen ging er also auf Motorradtour. Damals war Watergate gerade aktuell und er las uns die Tonbandaufnahmen vor. Er erklärte uns auch, wie man 'Brust' auf Französisch sagt.

Sam Grey hat also das Kabarett initiiert und wir haben alle Sketche geschrieben und aufgeführt. Bei einem Solostück habe ich dann ganz klare Lacher erhalten. Das war so eine Pantomime-Sache. Ein Typ warf mir zu und ich sollte einen Cricket-Spieler darstellen. Ich schlug den Ball voller Selbstvertrauen und Arroganz und schaute dem Ball in der Ferne hinterher und merkte, dass ich das Wicket zerschmettert hatte. Ich erinnere mich, dass ich damals gedacht habe - hey, hier kriege ich die Lacher.

Und dann entdeckte ich Peter Sellers. Mein Vater hatte seine Platten und ich erinnere mich, wie ich versucht habe, die Akzente zu imitieren. Ich habe den indischen Akzent versucht, bevor ich mir Gedanken darüber gemacht hätte, dass ich mich dadurch in einen schwierigen Bereich wagte. Denn wenn man verschiedene Akzente von anderen ethnischen Gruppen imitiert, dann kann es so aussehen, als ob man sie verarscht. Ich habe dann eine Nummer über die Waliser gemacht, die die Stonehenge-Steine gemeißelt haben. Dabei habe ich aufgepasst, dass ich niemanden auf den Schlipps trete. Es ging um diese Schlaffi-Druiden und die Waliser beschimpften sie: „Ihr elendigen Weicheier!”

Also, ich war in St Bede´s und … jau … ich war damals total fit. Ich bin viel rumgelaufen. Von der Schule aus ging es zum Meer runter, und daneben lagen die Downs. Wir sind morgens um sieben Uhr aufgestanden und durch das Wasser zum Riff gewatet, wodurch unsere Füße in Fetzen hingen.

Dort, wo eine alte Mine aus dem Zweiten Weltkrieg auf die Klippen aufgeschlagen war, konnte man nachts manchmal lautes Knallen hören. Der Schulkoch gehörte zur Küstenwache, und er ging immer raus nachsehen, dass dort keine weiteren Minen mehr waren. Als ich dort war, sah man jeden Abend das Leuchtfeuer vom Sovereign Leuchtturm am Schlafzimmerfenster vorbeihuschen. Während ich einschlief, dann wuuuusschh … huschte dieses Licht am Fenster vorbei. Daran haben wir uns aber gewöhnt.

St Bedes

Tja, St Bede's. Das war ein guter Ort. Der Schulleiter war in Ordnung, aber er schien darauf erpicht zu sein, mich bei Theaterstücken nicht auftreten zu lassen. Ich bin letztens mal wieder dort gewesen und habe ihm eine Gardinenpredigt gehalten: „Sie haben mich nicht auftreten lassen.” „Oh, das tut mir leid.” „Aber Sie haben mich nicht in einem einzigen Stück auftreten lassen!” „Ich wusste nicht … .” „Warum denn nicht?” Für die South Downs empfinde ich jetzt eine große Liebe. Sie sind irgendwie irre. Auf der nördlichen Seite befinden sich gar keine Felsen, es geht einfach einen riesigen, steilen, womöglich-den ganzen-Weg-Purzelbaum-schlagenden Hang hinunter.

Eastbourne College, Rechenschieber, Mädels

Mit dreizehn besuchte ich dann das Eastbourne College. Den ersten Samstag musste ich mich freistellen lassen, weil mein Vater sich neu vermählte, was ich toll fand. Ich habe Französisch verpasst. „Tut mir leid, ich konnte letzte Woche nicht am Französisch-Unterricht teilnehmen, weil meine Eltern geheiratet haben.”

In meinem ersten Jahr wurde mir alles über den Rechenschieber beigebracht. Es hieß: „Der Rechenschieber ist wichtig. Ohne ihn kannst du nichts machen. Der Rechenschieber ist die neue Effektivitätswaffe. Mit dem Rechenschieber schaffst du es bis zu den Sternen. Kauf und benutz ihn – deinen Rechenschieber!” Innerhalb von einem Jahr hieß es dann: „Vergiss deinen Rechenschieber. Der Taschenrechner kann ohne diese ganze Schieberei und Raterei, wo das Ding in der Mitte hingehört, addieren. Den Rechenschieber kannst du dir in den sonstwo hinschieben.”

Ich hatte einen netten Rechenschieber aus Kunststoff und alles ließ sich nach rechts und links schieben, und man schob eine Sache nach hier und eine andere Sache nach da und – aha! Ungefähr 1400. Manchmal klappte es nicht, und man musste schätzen. Ich habe mal einen Film gesehen, wo die alle in einem Raumschiff waren und mit Rechenschiebern kalkulierten. „Wie weit sind wir von Pluto entfernt?” „Ungefähr 1400, Sir.”

In meiner ersten Schule in Eastbourne waren ein Fünftel der Schüler Mädchen. Vielleicht sogar ein Viertel. Die ersten drei Jahre gab es gar keine Mädels an dieser Schule, und dann waren plötzlich welche da. Das war dann irgendwie … eigenartig. Als ich sechzehn war, gab es wieder Mädels, aber nur eins auf alle zehn Jungs. Diese Meute von pickeligen Knaben folgte also den Mädels auf Schritt und Tritt und trug … einfach alles für sie. Sie haben sie im wahrsten Sinne des Wortes auf eine Sänfte gehoben und durch die Gegend getragen. Ich habe daher ein ganzes Jahr lang gar nicht mit Mädchen gesprochen. Ich dachte, dass ich einfach keine aufreißen könnte. Ich konnte echt nicht sagen, dass ich hier zur A-Jugend gehörte. Erst am Ende des Jahres packte ich meinen Mut zusammen. Da konnte ich so Weisheiten von mir geben wie „Jau, ich komme aus dem All!”, oder ähnlichen Mist.

Ich bin von gemischten Klassen vollkommen überzeugt, obwohl Jungs mehr Nutzen davon haben. Jungs kommen mit so Sprüchen an wie „Du lernst doch nicht etwa, oder?”, wodurch sich die Mädchen vom Lernen abbringen lassen.

Kadetten, Orientierungsmarsch, Angriff aus dem Hinterhalt

CadetAm Eastbourne College musste jeder bei den Kadetten mitmachen. Da marschierte man durch die Gegend, rannte Berge hoch und runter, versteckte sich und machte „Peng Peng“. Das war wie ein tolles Cowboy- und Indianer-Spiel, nur halt nicht unbedingt real. Ich bin mit den Büchern über den Krieg aufgewachsen. Ich weiß, dass es die Hölle war, aber irgendwie wollte ich bei diesem Kampf auch mit dabei sein. Es hatte etwas damit zu tun, nicht die ganze Realität wahrzunehmen, nur den Wagemut. Wagemut? Das hört sich total bescheuert an, aber dieser Teil mit dem Rennen, Springen, Klettern, Stillstehen – das war der Grund, warum ich zum Militär wollte. Doch in der Realität sind, abgesehen vom Zweiten Weltkrieg, die meisten Kriege politisch total chaotisch. Der Zweite Weltkrieg war nachvollziehbar. „Diese Typen sind Ärsche und die wollen überall einmarschieren. Wir müssen die jetzt aufhalten und unser Land verteidigen.” Diesem Patriotismus schließe ich mich an.

Ich nahm an einem Spezialkurs teil, wo ich ziemlich ernüchtert wurde, denn ich habe nicht sonderlich gut abgeschnitten. Meine Gruppe konnte einfach nichts reißen, bis wir einen Orientierungsmarsch gemacht haben, denn so etwas konnte ich noch von den Pfadfindern her. Es gibt diese ganze Logik mit der Kartenleserei. Man liest auf dem Kompass die Richtung ab und dann folgt man ihr, auch wenn man denkt, dass diese Richtung nicht stimmen kann. Auch wenn der Kompass in eine Richtung zeigt und man denkt: „Verdammt, das kann doch gar nicht stimmen!“ Man muss dem Kompass folgen, sonst sieht man alt aus. Beim Orientierungsmarsch haben wir also alles richtig gemacht.

Dann haben wir eine Übung für den Angriff aus dem Hinterhalt gemacht. Wie saßen alle hinten in einem Militärfahrzeug. Insgesamt waren es drei Wagen, die dann anhielten. Ein Typ, der diesen Kurs schon mal mitgemacht hatte, meinte: „Das ist ein Angriff aus dem Hinterhalt. Lauft weg!” Wir sprangen also alle aus dem Wagen und verteilten uns eilig im Gestrüpp. Und dann kam so was wie ein Leutnant vorbei und sagte: „Ihr sollt doch nicht wegrennen!” „Wir sind wieder in England.” „Nein, das seid ihr nicht. Ihr seid jetzt alle gefangen. Und ihr müsst ins Konzentrationslager.” Wir wurden dann zum „Konzentrationslager” verfrachtet. Konzentrationslager war ein recht großes Wort dafür. Es war so eine Art abgegrenzter Bereich mit Mauern und Stacheldraht, und wir mussten in die Hocke gehen. Das geht voll auf die Beine, vor allem, wenn man die Hände noch hinter dem Kopf verschränken muss. Dann kamen wir auf den Gedanken, dass man sicherlich von uns erwartete, dass wir flohen. Nach einer Weile sind dann welche von uns abgehauen, und die Soldaten jagten hinterher und schossen mit Platzpatronen, und wir mussten uns dann mit Holzstücken verteidigen. Es war alles recht simpel.

Dann war da dieser Fallschirmjäger, und ich habe versucht, mich mit ihm zu unterhalten. Ich fragte: „Wie ist es denn so in der Armee?”, und er sagte: „Verpiss dich!”. Tja, dachte ich, ich weiß es zu schätzen, wie du mich hier anspornst. Auf dem Kadetten-Lehrgang gab es noch ein anderes Kind. Dieser Junge wurde befördert; ich aber nicht. Ich habe mir nur gedacht: „Das ist doch echt alles willkürlich, oder?“. Ich wusste, dass ich das genauso gut gemacht hatte wie er. Denn ich dachte, es käme darauf an, Willen zu zeigen und den Kurs mitzumachen. Dann würde man auch mehr Streifen und solche Sachen bekommen.

Weitere Angriffe aus dem Hinterhalt, Knarren, Busse

Ich habe mir zwei Leutnant-Sterne gekauft. Ich marschierte also mit den Leutnant-Sternen und einer Pistole – so einer Schreckpistole, die ich mir in Frankreich gekauft hatte - durch die Gegend. Wir hatten dann wieder eine Übung in den Downs und man erklärte uns: „Heute gibt es einen Angriff aus dem Hinterhalt, und ihr werdet angegriffen.” Das war klasse, und wir warteten mit 0,303 Kaliber Enfield-Repetierbüchsen auf den Angriff. Bevor wir loszogen, spielte ich an der Knarre rum, laden, entladen und solche Sachen – bis ich sie kaputt gemacht hatte.

Meine Knarre war also unbrauchbar. Ich hatte eine große Repetierbüchse, die nicht funktionierte und diese Pistole und meine Leutnant-Sterne. Wir marschierten also alle durch die Gegend und warteten auf den Angriff aus dem Hinterhalt – und dann: „Überfall”. Wir also alle runter auf den Boden und dann ging die Ballerei los. Sie griffen uns an, wir griffen sie an. Wir hatten alle Dinger, die knallten. Wir machten Peng Peng, sie machten Peng Peng und wir machten dann wieder Peng Peng Peng Peng.

Nach einer Weile merkten wir, dass wir damit nicht weiterkamen. Also standen wir auf und machten „Peng Peng Peng“. Offensichtlich wäre das im echten Leben unser Todesurteil gewesen. Aber wir wussten ja, dass wir niemanden wirklich umnieten, daher begannen wir, auf alle zu schießen. Ich lief mit meiner Pistole rum und schoss auf meine eigenen Leute. Peng Peng Peng – ein verrückter Nachmittag.

Sie sagten uns dann: „Okay, ihr habt das alle nett gemacht, es sind halt nur alle tot und ihr habt geschummelt. Macht euch jetzt auf den Rückweg nach Eastbourne, ohne dass ihr dabei von Nazi-Sturmtruppen oder wem auch immer erwischt werdet. Plant euren Rückweg so listig wie möglich.” Alle machten sich auf den Weg, die Downs herunter. Nur dieser Typ namens Paul Wedge und ich gingen zu einer Bushaltestelle und wir nahmen den Bus um etwa 16:00 Uhr, als die Schulen alle leer wurden. Wir sind also unerkannt mit all den Schulkindern im Bus gefahren. Ich fand, das war ein Plan, der von Initiative zeugte – ein richtiges SAS-Ding. Wir saßen da mit unseren Knarren und Uniformen zwischen den Kindern, die uns nur anstarrten. Wir schafften unseren Heimweg und waren früh wieder zurück.

Billy Bragg, SAS … Komödie?

Es war eine verrückte Zeit. Meine Ideen sind zweigleisig gefahren. Aber es gab keinen Weg, beides zu vereinbaren – Komödiant und Militär. Das ENSA-Ding (Entertainments National Service Association, Truppenbetreuung für die Unterhaltung kämpfender Soldaten) funktionierte nicht mehr. Ich unterhielt mich mit Billy Bragg darüber. Billy Bragg ist die einzige Person, die bei Top of the Pops aufgetreten ist und einen Panzer fahren kann.

Bei der SAS ging es um fortschrittliches Rennen, Springen und Stillstehen. Und das mit blauen Kappen und überaus geheimnisvoll. Sie waren alle autark. Wenn also einer aus der Einheit umgenietet wurde, dann wussten die anderen, was sie machen müssen. Da hieß es also nicht „Oh, das war der Typ mit dem Sprengstoff. Wir müssten jetzt ohne ihn Sprengungen vornehmen.” Ich habe keine Ahnung von Sprengstoff. Das macht doch auch Peng, oder?

Aber für mich machte das alles keinen Sinn, denn ich wollte zur Komödie. Zuerst erschien mir der Gedanke an die Stegreifkomödie verrückt, doch je näher mein 16. Geburtstag rückte, umso machbarer erschien mir die ganze Sache. Ich rannte nicht mehr so viel rum und war daher auch nicht mehr so fit. Außerdem wurde ich nicht befördert, daher dachte ich – ihr könnt mich mal.

Und natürlich dachte ich mir nach dem Kurs, wenn sich meine Mühe nicht lohnt, dann könnt ihr mich mal am Arsch lecken. Ich werde jetzt Transvestit.

[Anmerkung des Redakteurs: Die Übertragung ist zu Ende. Doch Eddie schaffte es und hatte großen Erfolg im Bereich Komödie und als Transvestit. Das kam natürlich nicht über Nacht. Zuerst kamen die Auftritte auf den Straßen, dann der Schritt in die Comedy-Clubs. 1987 trat er in Londons berühmtem Comedy Store auf, und dann leitete er seinen eigenen Club in Soho, den Raging Bull. Hier erregte Eddie durch seine Improvisationskünste Aufmerksamkeit. 1993 ging er ein immenses Risiko ein und mietete das Ambassador´s Theatre im Londoner West End für seine erste One-Man-Show. Das Risiko hat sich gelohnt.]

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